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CityGlow September Ausgabe

die September Ausgabe mit der Vernissage in der GlowArt Gallery "Kraftlinien". Eine Ankündigung für eine weitere Ausstellung in Hamburger Hafen City

Hamburg Nele Kugler:

Hamburg Nele Kugler: Kunst aus Wind, Wasser und Fundstücken Wie die Nordseeküste, gebrauchte Materialien und ungeplante Strukturen Nele Kuglers Werk prägen Intuition etwas entsteht, das vorher nicht festgelegt war. Den ersten „Pott“ versucht sie dabei nicht zu kopieren. Entscheidend bleibt vielmehr die Offenheit gegenüber dem, was sich während des Arbeitens entwickelt. Ein Leben an Elbe und Nordsee Nele Kugler stammt aus Nordrhein-Westfalen. Ihr Weg führte sie über Hamburg und Berlin schließlich nach Otterndorf bei Cuxhaven. Seit rund 25 Jahren lebt und arbeitet sie dort - und ebenso lange beschäftigt sie sich mit Kunst. Otterndorf liegt unmittelbar an der Elbmündung. Große Containerschiffe ziehen dort täglich auf der Elbe vorbei: in Richtung Hamburger Hafen oder hinaus in die Nordsee. Kugler geht nach eigenen Angaben fast jeden Tag an den Deich. Die Nähe zum Wasser, zur Schifffahrt und zum maritimen Leben prägt ihren Alltag und kehrt in ihren Arbeiten immer wieder. Bei kann aus freigelegten Farbschichten unvermittelt der Bug eines Schiffes hervortreten. Die Künstlerin verbindet maritime Fundstücke und ruhige Bildwelten mit einer kraftvollen, farbintensiven Malerei. Ihre Wahlheimat an der Nordseeküste ist dabei nicht nur ein wiederkehrendes Motiv, sondern ein wesentlicher Bezugspunkt ihres Schaffens. KÜNSTLERPORTRÄT Als ein Schiffsbug aus Farbe entstand Mehrere pinkfarbene Farbschichten hatten sich bereits auf der Leinwand übereinandergelegt. Doch Nele Kugler kam mit dem abstrakten Bild nicht weiter. Sie kratzte große Teile der Far- be wieder ab und stellte die Leinwand anschließend auf. In den freigelegten Strukturen erkannte sie plötzlich den Bug eines großen Schiffes. Aus einem Bild, das zuvor festgefahren schien, war etwas Ungeplantes entstanden: ihr erster „Pott“. Für Kugler wurde diese Entdeckung zu einem Schlüsselmoment. Das Ergebnis löste bei ihr ein starkes Glücksgefühl aus und gab zugleich den Anstoß zu einer Serie, die heute einen wichtigen Teil ihrer Arbeit bildet. Bei jedem neuen Bild dieser Reihe sucht sie erneut nach jenem Moment, in dem aus Farbe, Schichten, Strukturen und Schiffe und Häfen gehören ebenso zu ihren Bildwelten wie maritime Strukturen, Küstenlandschaften, das Wattenmeer und die Gezeiten. Auch die Kräfte der Natur und das Leben zwischen Weite, Wind und Wasser bilden wiederkehrende Bezugspunkte. Kuglers Umgebung wird damit nicht einfach abgebildet. Sie liefert Materialien, Formen und Eindrücke, die in unterschiedliche künstlerische Ausdrucksweisen einfließen. Zwei Seiten einer künstlerischen Handschrift Ihre Malerei hat sich Nele Kugler autodidaktisch erarbeitet. Im Laufe der Jahre entwickelten sich zwei deutlich verschiedene Ausdrucksformen, die für sie gleichermaßen zu ihrem Werk gehören. 8

Hamburg Auf der einen Seite stehen ruhige, materialbetonte Arbeiten. Kugler verwendet dafür unter anderem altes Segeltuch, historische Seekarten, Schwemmholz und Fundstücke, die sie an der Nordseeküste sammelt. Die Materialien bringen bereits eine eigene Geschichte mit. Indem Kugler sie in ihre Bilder aufnimmt, erhalten sie einen neuen Zusammenhang und werden zu Bestandteilen einer weiteren Erzählung. Diese Arbeitsweise empfindet die Künstlerin als entschleunigend und beruhigend. Die zurückgenommenen maritimen Werke stehen damit in einem deutlichen Gegensatz zu ihrer zweiten Ausdrucksform: einer energiegeladenen, intuitiven und farbintensiven Malerei. Hier arbeitet Kugler kraftvoll und bevorzugt leuchtende Farben. Aus diesem Zugang entstanden unter anderem ihre Serie „Pötte gucken“ und die von ihr als „Mutmachbilder“ bezeichneten Arbeiten. Ruhe und Energie bilden in Kuglers Werk keine getrennten Welten. Sie erscheinen vielmehr als zwei Möglichkeiten, auf dieselbe Umgebung und auf persönliche Empfindungen zu reagieren. Die materialbetonte maritime Seite und die expressive abstrakte Malerei ergänzen einander, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Fundstücke, Zufall und Verantwortung Der Name „Pötte gucken“ ist eng mit Kuglers Leben in Otterndorf verbunden. Wer dort an den Deich geht, um die vorbeiziehenden Schiffe zu beobachten, geht im örtlichen Sprachgebrauch „Pötte gucken“. Kugler selbst tut dies fast täglich. Aus dem zufällig entdeckten Schiffsbug, ihrem Alltag am Deich und dem norddeutschen Ausdruck fügte sich schließlich der Name der Serie zusammen. Der Zufall bleibt auch darüber hinaus Teil ihres künstlerischen Verfahrens. Kugler arbeitet mit Materialien, Farben und Eindrücken aus ihrer Umgebung und lässt zu, dass daraus etwas entsteht, das nicht vollständig planbar ist. Ihre beiden Ausdrucksformen verbindet deshalb weniger eine einheitliche Optik als eine gemeinsame Arbeitsweise: das Aufnehmen dessen, was ihr begegnet, und dessen Überführung in einen neuen bildnerischen Zusammenhang. Zugleich öffnet ihre Kunst einen Raum für die Beschäftigung mit ökologischen Fragen, Nachhaltigkeit und der Schönheit der Natur. Besonders in der Verwendung von Segeltuch, Seekarten, Schwemmholz und anderen Fundstücken wird die Verbindung zur Küstenlandschaft unmittelbar greifbar. Das bereits Vorhandene wird nicht ausgeblendet, sondern zum Ausgangspunkt für etwas Neues. So entsteht ein Werk, das zwischen maritimer Ruhe und farblicher Energie, zwischen gefundenem Material und intuitiver Veränderung pendelt. Nele Kuglers Kunst folgt keinem einzigen Ausdrucksmuster. Ihr beschriebenes Verfahren verbindet vielmehr Umgebung, Material, Farbe und Zufall - getragen von der Bereitschaft, im Ungeplanten eine neue Bildidee zu erkennen. 9

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